Brandnacht von Grünn: Schock und Inspiration

Ereignisse in diesjähriger „Kunst im Biotop“ aufgearbeitet

3. Bürgermeister Franz Wolfsecker, Laudatorin Beatrix Neulinger und die Künstler Beate Pausinger-Pluta, Dieter Pluta und Theresa Zellhuber

3. Bürgermeister Franz Wolfsecker während seiner Eröffnungsrede. Daneben Laudatorin Beatrix Neulinger und die Künstler Beate Pausinger-Pluta, Dieter Pluta und Theresa Zellhuber

Geisenhausen. Zum vierten Mal durchgeführt, hat sich die Ausstellung „Kunst im Biotop“ einen festen Platz im Geisenhausener Kulturkalender erobert. Kunst im Biotop versteht sich als experimenteller, kurzzeitiger Untermieter im Biotop am Fimbach – daher auch der Ausstellungsname -, gleich gegenüber dem Atelier der beiden ausstellenden Keramik-Künstler Beate Pausinger-Pluta und Dieter Pluta. Das Atelier der Malerin, Bildhauerin und Schmuckdesingnerin Theresa Zellhuber liegt am unteren Teil des Fimbachs und ist nur einen „Katzensprung“ entfernt. Alle drei Künstler geben sich in der Regel – die Ausstellung 2014 mußte aus Zeitgründen ohne Motto auskommen – ein Thema vor und fertigen dazu spezielle Arbeiten. „Kunst im Biotop“ ist also eine Ausstellung mit stets neuen, kreativen Exponaten, die zum ersten Mal bei dieser Gelegenheit den interessierten Kunstfreunden vorgestellt werden.

Aufmerksame Besucher der Vernisage

Aufmerksame Besucher der Vernisage

„Vergänglichkeit“ ist das in diesem Jahr aufgegriffene Thema. Der Anlaß dazu wenig erfreulich: Die Brandnacht vom 19. auf den 20. März diesen Jahres in Grünn, in der ein Nebengebäude eines von der Familie Zellhuber erst kurz davor gekauften ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens in Flammen aufging und vollständig niederbrannte. „So ein Feuer ist ein Schock“, erzählt Theresa Zellhuber in einem Gespräch mit der Redaktion und zeigt ein Foto, das neben einem der Kunstobjekte auf dem Boden liegt. Darauf zu sehen das in Flammen stehende Gebäude und als kleines Detail aus der Bildmitte herausgerückt ein deutlich sichtbares, brennendes Wagenrad. Das Bild liegt neben dem stark verkohlten Wagenrad, welches als Exponat in der Ausstellung zu sehen ist. Selbstverständlich mußte es behandelt und der Vergänglichkeit entrissen werden, damit die ansonsten brüchige Struktur der Holzfragmente stabil bleibt und es überhaupt als Exponat gezeigt werden kann. Auf dem erhalten gebliebenen, alten eisernen Radreifen zwei schneeweiße menschliche Figuren, die im Begriff sind, vom Rad zu kippen.

Die „Kunst im Biotop“ ist für die Malerin und Bildhauerin in diesem Jahr eine sehr persönliche Ausstellung. Ihren Beiträgen – die nicht zum Verkauf bestimmt sind – ist anzusehen, daß sie mit ihnen ein Stück Aufarbeitung der Brandnacht versucht. Weiße, verzweifelt zum Himmel gereckte Hände auf einem tiefschwarzen, vollständig verkohlten Hackstock bringen die Emotionen und Stimmungslage der Künstlerin während des Schaffensprozesses in einer beklemmenden Eindringlichkeit dem Betrachter näher.

Die drei Künstler verarbeiten das Brandereignis – wie die Landshuterin Beatrix Neulinger in ihrer Laudatio zur Ausstellungseröffnung feststellte – im wahrsten Sinne des Wortes. Feuer, das als eines der Urelemente beeindruckt, ist – wenn es außer Kontrolle gerät – auch sehr beängstigend. In diesem Fall ist der Mensch machtlos im Umgang mit ihm. Das Wagenrad mit den beiden Skulpturen, die anscheinlich in gewisser Aggression zueinander stehen,  beeindruckte auch die Laudatorin. „Keiner darf einen Fehler machen und zu weit gehen, denn für jeden würde es zum Fall nach unten kommen.“

Als bewußtem Gegensatz zu den Brandholz-Objekten präsentiert Theresa Zellhuber auch Arbeiten aus Beton und hat dazu Bilder in diesen gegossen. Beton ist unvergänglich, so Neulinger. Von den Darstellungen zur Vergänglichkeit über die „Unvergänglichkeit“ des Betons hat Zellhuber dann den Weg zurück zum Schmuckdesign gefunden. Manschetten-knöpfe bestehen in ihren neuen Kreationen dort, wo sonst Edelmetalle oder Schmucksteine den Knopf zieren, aus schlichten weißen Beton. Für ihren handgestrickten Schmuck verwendet sie erstmals Bronzedraht mit Verschlüssen aus schwarzem Ebenholz.

Beatrix Neulinger führt durch die Ausstellung

Beatrix Neulinger interpretiert „Vergänglichkeit“

Beate Pausinger-Pluta und Dieter Pluta widmen sich in ihren Werken ebenfalls der Vergänglichkeit. Auch sie sind fasziniert von der Haptik des verbrannten Holzes mit seiner schimmernden, samtigen Oberfläche und haben dem bewußt gegensätzliche Materialien hinzugefügt, wie Neulinger den zahlreichen Vernisagegästen gestern Abend erläuterte. Bei Dieter Pluta drücke sich das in Porzellan aus, das beim Brennprozeß mit 1.300 Grad seine enorme Härte erreicht. Neulinger: „So sehen wir also die Vergänglichkeit im schwarzen Brandholz mit seiner brüchigen, schroffen Oberfläche und die Unvergänglichkeit oder Unendlichkeit im weißen Porzellan mit seiner glatten und puren Oberfläche.“

Seine Frau Beate legt ihren Schwerpunkt auf Steinzeug-Scheiben, die den Kosmos versinnbildlichen. Eine Spirale, so Neulinger, bildet als Sinnbild für die Unendlichkeit den Gegensatz zu den hölzernen Überrestes des Feuers.

„Kunst ist, wenn es mir gefällt“, brachte es Geisenhausens 3. Bürgermeister Franz Wolfsecker humorvoll in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt. Hier, bei dieser Ausstellung, gefalle ihm Vieles: Der Naturerlebnisraum ohnehin, an dem er täglich vorbei komme. Es sei eine Freude, wenn sich Menschen hier aufhalten, Schulklassen ihn zur Ergänzung des Unterrichtsangebotes nutzten. Sein Interesse an der bevorstehenden Ausstellung ist dazu mit jedem neu aufgestellten Exponat gestiegen. Man könne sich nur wundern, über Phantasie und Kreativität, mit der sich die Künstler der „Vergänglichkeit“ angenommen hätten und mit welchem Variantenreichtum das gelingt. Er bedankte sich für das Engagement und die Bereicherung der Geisenhausener Kultur- und Kunstszene. Franz Woilfsecker: „Ich würde mich freuen, wenn diese Ausstellung als Bereicherung dem Markt erhalten bleibt und zur Tradition werden könnte.“ Der Ausstellung wünschte er einen regen Besuch und vor allem das passende Wetter.

Die Ausstellung „Kunst im Biotop“ ist noch bis 21. Juni geöffnet. Das Programm finden Sie im Beitrag: „Ab Freitag: Kunst im Biotop“

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