Entwicklungs-Blindflug des Marktes beendet

Bestandsaufnahme zu ISEK macht mehr deutlich, als in der Zusammenfassung selbst steht – Analyse Bürgerbefragung

Themenfelder ISEK Geisenhausen

Die ISEK-Themenfelder

Geisenhausen. Die Lage des Marktes – nach Stand der Dinge nicht rosig, aber auch nicht auswegslos! So könnte man die Ergebnisse der Bestandsanalyse der iq-Projektgesellschaft in einem Satz zusammen fassen. Detaillierter stellten Dr. Robert Leiner und Architekt Michael Leidl die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit in einer Sondersitzung des Marktgemeinderates am Dienstagabend den Ratsmitgliedern und einer handvoll dazu erschienener Zuhörer sowie am letzten Donnerstag in einer eigenen Bürgerversammlung vor. Die Zurückbehaltung der Präsentationsunterlagen nach der öffentlichen Ratssitzung gegenüber der Presse begründete das Rathaus inzwischen mit einer erst am Freitag erfolgten Freigabe der Unterlagen durch die Urheber.

Die Lage Geisenhausens – wie geographisch betrachtet, in der Nord-Süd-Achse eingepfercht zwischen den Mühlsteinen „Oberzentrum Landshut“ und „Mittelzentrum Vilsbiburg“, dazu durch zwei unverrückbare Korsagen gezähmt, dem Bahngleis und der B 299 in der räumlichen Ost-West-Entwicklung gebändigt – hat in den letzten Jahren ein phänomenales Wirtschaftswachstum nicht verhindern können. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort ist in den letzten 15 Jahren um satte 150 Prozent gestiegen, der Löwenanteil ab 2007. Die Beschäftigungsentwicklung am Arbeitsort legte in den Jahren 2008 bis 2013 zwischen fünf bis unter zehn Prozent zu. Ein Wachstumswert, so die Referenten, „der in der Bevölkerung nicht wahrgenommen wird“, aber im gesamten Landkreis Landshut nur noch einmal – in der Gemeine Bruckberg – erreicht wird. Selbst in Landshut liegt der Wert unter fünf Prozent. In den Nachbargemeinden Kröning und Altfraunhofen ist im Vergleichszeitraum gar Negativwachstum zwischen Minus einem bis unter Minus fünf Prozent in den Statistiken vermerkt. Woran liegt es aber, daß die Geisenhausener von diesem positiven Trend selbst nichts wissen? Antwort der Experten: Die Selbstdarstellung Geisenhausens ist mangelhaft, das Image der kommunalen Arbeit nicht so positiv, wie es zum Beispiel mit gezieltem Orts-Marketing möglich wäre.

Diese für weitere Aktivitäten richtungsweisende Aussage hat in der Sondersitzung für Verwunderung im Gesicht mach eines Ratsmitgliedes gesorgt. Und gleich noch eine Feststellung trug dazu bei: Geisenhausens Bevölkerung wächst zwar, aber nicht aus sich heraus, sondern ausschließlich durch Zuzüge. Eine im Vergleich zu den Geburten höhere Sterbeziffer bringt es an den Tag. Wenig verwunderlich dagegen die demografische Entwicklung. Auch der Seniorenanteil in Geisenhausens Bevölkerung nimmt beständig zu und wird im Jahr 2029 den Prognosen zufolge mit 1.720 Personen ein knappes Drittel der Bevölkerung ausmachen, wo hingegen sich die Gesamtbevölkerung nur geringfügig von insgesamt 6.300 (2009) auf 6.580 Personen erhöhen wird. Wobei mit rund 6.730 Einwohnern bereits im Jahr 2013 ein Zwischenhoch erreicht war. Auf diese Entwicklung muß die Gemeinde vorbereitet werden. Kurze Wege, altersgerechte Ausstattung der öffentlichen Gebäude und Räume – die Herausforderungen sind beträchtlich und wurden in den Schlagworten „Ordnung und Lenkung“, „Heimatbindung“, „Lebensqualität“, „Flächenbedarf“, „soziales Miteinander“, „Identität“ und „Flächenbedarf“ zusammen gefaßt.

Die Ergebnisse der Bürgerbefragung waren stellenweise aufschlußreich. Was natürlich die Referenten so nicht ausführten. Wenn aber, wie geschehen, nur gerade einmal 1.000 Bürger befragt werden und die dann noch nicht einmal alle ihre Antworten zurückschicken, kann genauso gut hinter den Antworten und den Schlüssen daraus ein dickes Fragezeichen stehen. Diejenigen, die auf das Anschreiben der Verwaltung reagiert haben, sehen Geisenhausen jedenfalls als nicht „aufregend“, sondern „nüchtern“; als nicht „modern“, sondern „altmodisch“ und auch nicht als „abwechslungsreich“, sondern als „eintönig“ an. Dafür punktet der Markt kräftig bei den Attributen „freundlich“, überschaubar“, „traditionsreich“, „familiär“, „sympathisch“. Nicht ganz so gut, aber immer noch eher zutreffend als das Gegenteil, die Eigenschaften „gepflegt“, „sicher“, „heiter“.

Kein zufriedenstellendes Biergartenangebot im Markt

Entspricht nicht den Vorstellungen der meisten Geisen-hausener für ein zufriedenstellendes Biergarten-Angebot.

Negativ beantwortet wurden die Fragen, ob es ein attraktives Angebot an Cafés, Eisdielen und Kneipen im Markt gibt. Auch bei der Frage nach attraktiver Außengastronomie und Biergärten gab es keine Pluspunkte. Im Gegenteil, die Bewertung durch die befragten Personen war hier sogar ziemlich schlecht; nur die Altersgruppe der über 65jährigen erteilte dem Markt hier ein besseres Zeugnis als der Durchschnitt. Mit dem Sport- und Freizeitangebot der Vereine hingegen waren alle Altersgruppen sehr zufrieden, außerhalb der Vereinsaktivitäten fiel das Urteil hingegen vernichtend aus. Auch das kulturelle Angebot in Geisenhausen wird als wenig attraktiv empfunden. Genau so die Anzahl der Treffpunkte für Familien, Jugendliche, und Singles. Auffällig der herausragende Negativwert bei den bis unter 22jährigen und die konträre Beurteilung durch die Senioren. Keinen Grund zum Meckern haben künftig so Bewegungen wie „überall ist Bunt“ oder so ähnlich, denn gerade in Geisenhausen sind neue Bürger willkommen und haben es leicht. Eine Aussage, die alle Altersgruppe als zutreffend beurteilten, insbesondere aber die Jugendlichen.

„Gibt es Einrichtungen, Unterstützungsleistungen oder Angebote, die aus Ihrer Sicht in Geisenhausen fehlen oder für die Zukunft wünschenswert wären?“ Eine Frage mit Überraschungspotential, zumindest in einer Hinsicht, denn der Einzelhandel führt die Liste mit 22,9 Prozent an. Über ein Fünftel der befragten Personen ist also mit dem Angebot des Einzelhandels nicht zufrieden, insbesondere eine Drogerie vermissen 10,9 Prozent. Eine (Außen-)Gastronomie wie beispielsweise ein Café vermissen 17,2 Prozent, einen adäquaten Treffpunkt für Jugendliche 10,6 Prozent, Radwege und Fachärzte gehen 9,5 Prozent der Befragten ab. Immerhin noch sechs Prozent wünschen sich offene Treffpunkte für alle.

Bei den positiven Veränderungen in der jüngsten Geisenhausener Geschichte liegen die Veränderungen bei den städtebaulichen Maßnahmen wie die Sanierung einiger alter Gebäude mit 32,9 Prozent der Nennungen ganz vorne. Die Politik punktete mit 14,1 Prozent, gefolgt von der Gastronomie mit Blick auf das Cafe Rauchensteiner. Als besonders negativ empfunden werden in Geisenhausen die Einzelhandelssituation von 19,3 Prozent der Umfrageteilnehmer, die Freizeitinfrastruktur (18,5 Prozent), das Verkehrsaufkommen (12,3 Prozent) , die Asylpolitik (11,5 Prozent), das Ortsbild (10,3 Prozent) und die Parkplatz-Situation (8,3 Prozent). Die optimistische Grundeinstellung überwiegt jedoch in Geisenhausen, wie die Auswertung des kompletten Fragekatalogs ergab, von dem hier nur ein kleiner Teil erläutert werden kann. Im interkommunalen Vergleich ist damit der Anteil der Bevölkerung mit pessimistischer Grundhaltung „unterdurchschnittlich“, so die Feststellung der Experten. Allerdings ist der Wert an Pessimisten in der Altersklasse unter 21 Jahren höher, als im Altersdurchschnitt.

In den Reihen der CSU sollte sich am Dienstagabend eigentlich eine heimliche Genugtuung breit gemacht haben, als die Experten die Situation des Einzelhandels im Markt aus ihrer professionellen Sicht beurteilten. Wie richtig die CSU-Fraktion mit ihrem Kampf gegen die Märktekonzentration beim jetzigen EDEKA-Markt an der Landshuter Straße lag, wurde dem Marktgemeinderat mit den Ergebnissen zum Einkaufsverhalten der Bürger eindrucksvoll vor Augen geführt. Die Frage nach dem Einkaufsverhalten brachte es an den Tag.

Die Interviewer der Projektgesellschaft hatten die Geisenhausener befragt, an welchen Standorten sie am Tag ihres Einkaufes sonst noch Geld ausgegeben haben. Netto-Kunden waren zu 61 Prozent noch am Marktplatz aktiv; 53 Prozent besuchten EDEKA und 29 Prozent schauten noch bei NORMA vorbei. 58 Prozent der NORMA-Kunden besuchten am gleichen Tag noch EDEKA, 56 Prozent den Marktplatz und 56 Prozent den Netto-Markt. EDEKA-Kunden hingegen sind anschließend zu 25 Prozent bei NORMA, zu 56 Prozent am Marktplatz und zu 44 Prozent bei Netto unterwegs. Fehlt noch das Einkaufsverhalten der Besucher des Letzten im Bunde. 65 Prozent der Geisenhausener, die ihren Ersteinkauf am Marktplatz tätigen, sind in der Regel anschließend bei EDEKA anzutreffen, 28 Prozent bei NORMA und 59 Prozent beim Netto. Wie Dr. Leiner feststellte, ist der große Profiteur dieses Märktesplittings der Marktplatz und mit ihm das Ortszentrum. Hätten sich SPD und FWG im vorigen Marktgemeinderat mit ihrer Befürwortung des ursprünglichen EDEKA-Planes durchgesetzt, hätte das fatale Langzeitauswirkungen auf den Geisenhausener Ortskern wie weitere Verödung und Ausdünung des Einzelhandels  gehabt. Eine vernünftige städtebauliche Entwicklung für die Gemeinde einzuleiten, wäre dadurch unnötig erschwert beziehungsweise nahezu unmöglich geworden. Eine Feststellung, die Dr. Leiner nicht traf, die jedoch jeden aufmerksamen Zuhörer sofort in den Sinn kommen mußte.

Die  von Architekt Michael Leidl vorgetragenen städtbaulichen Aspekte des Entwicklungskonzeptes für den Markt Geisenhausen sind Gegenstand unseres folgenden zweiten ISEK-Beitrages.

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