ISEK – die städtebaulichen Voraussetzungen

Wenn es ihn gibt, dann hat ihn Geisenhausen: „Gordischer Knoten“ Verkehr und Vorschläge für verdichtete Bebauung

Geisenhausen. Die Themen Verkehr, Siedlungsentwicklung, innerörtliches Grün, Gewässer, Verkehr und Parken waren die Berichtsthemen für Architekt Michael Leidl in der Sondersitzung des Marktgemeinderates zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) für den Markt Geisenhausen. Der Themenkomplex wurde natürlich auch analog in der Bürgerversammlung am Donnerstag Abend im Saal der Brauhausstuben abgehandelt.

Überschwemmungsgebiet Kleine Vils und Fimbach

Überschwemmungsgebiet Kleine Vils und Fimbach (1)

Nach einem Blick auf die Geisenhausener Siedlungsgeschichte und die damit verbunde Entwicklung des Ortes im Tal der Vils kam Planungsexperte Leidl zum Kern der Sache: der Ortsentwicklung setzen die Überschwemmungsgebiete des Fimbaches und der Kleinen Vils natürliche Grenzen. In dem auf der Karte blau markierten Gebiet wird daher eine weitere bauliche Aktivität nicht möglich sein, so Leidl. Im Zusammenhang mit Bauflächen sprach der Architekt ein weiteres Problem in Geisenhausen an, da ja aufgrund der beengten Fläche (Bahndamm, B 299, Überschwemmungs-gebiet) auch Bauland schnell erschöpft sei und eine weitere Ausweisung nicht so ohne Weiteres möglich ist. Angesichts dieser Tatsache regte er an, über eine dichtere Bebauung nachzudenken. Das Stichwort waren um die 300 Quadratmeter große Baugrundstücke. Also „Handtücher“, wie man sie aus Trabantensiedlungen kennt. Dazu als weiteren Gedankenanstoß neue architektonische Hausformen, „um die man nicht herumkommen werde.“ Also eine absolut gegenläufige Empfehlung zu den Richtlinien, wie sie der Marktgemeinderat für das Baugebiet „Feldkirchen-Erweiterung“ erst kürzlich festgezurrt hatte.

Standorte mit Verbesserungspotential

So sehen es die Bürger: Standorte mit Verbesserungspotential (1)

Eine besondere Herausforderung stellt das Zusammentreffen einer Staats- mit einer Kreisstraße im Ortskern dar. Eine Lösung für das sich daraus ergebende „Problem Durchgangsverkehr“ dürfte schwierig werden, da nur eine Brücke über die Vils zur Verfügung steht. Der Quellverkehr selbst benötigt Parkplätze, die „in der zweiten Reihe“ zur Hauptstraße (Festplatz, hinter dem Saal der Brauhausstuben) großteils angeboten, wohl aber zu wenig genutzt würden. Auch die neuen zentrumsnahen Parkplätze hinter dem Seisenbergerstadl gehören hier mit dazu.

Architektonisch besonders wertvoll

Architektonisch besonders wertvoll und sollte erhalten werden (1)

Wertvolle städtebauliche Strukturen hat der Architekt im Vilsbogen, ferner entlang der Hauptstraße, der Landshuter Straße und im zentrumsnahen Innenbereich der Lorenzerstraße gefunden. Aber auch in den Randbezirken des Hauptortes entdeckte er architektonische Kostbarkeiten, die unbedingt erhalten werden sollten. Anhand der anzutreffenden baulichen Substanz wird das allerdings oft nur mit erheblichem Sanierungsaufwand möglich sein. Städtebauliche Mängel weisen die Bahnhofstraße, der Festplatz allgemein und insbesondere der Bereich hinter den Wertstoff-Containern auf, vom Bereich am ehemaligen Kreisverkehr ganz zu schweigen. Der „Gordische Knoten“ für Geisenhausens Verkehrsprobleme läßt nur wenige Optionen an diesem Punkt zu.

Umgestaltung schon begonnen -die Grünanlage vor dem Bahnhof.

Umgestaltung schon begonnen -die Grünanlage vor dem Bahnhof.

Licht und Schatten gibt es für Geisenhausens Situation zum öffentlichen Grün zu vermelden. In erster Linie wäre da unter dem Gesichtspunkt „öffentlich“ der Bahndamm und der Bahnhofsvorplatz zu nennen. Auch der kleine Park um St. Theobald ist für Geisenhausen bedeutungsvoll., marginal hingegen sehr zur Enttäuschung einiger Ratsmitglieder die letztjährig hergerichtete Grünfläche an der Gabelung Bahnhofstraße – Rampoldsdorfer Straße. Ortsbild prägende Baum- und Gehölzstrukturen finden sich ansonsten nur auf Privatgrundstücken. Obwohl das nicht so deutlich angesprochen wurde, könnte das für Geisenhausen noch zu einem größeren Problem werden.

Beiden ISEK-Projektanten steht in Geisenhausen noch eine andere Aufgabe in’s Haus, die sie – am Rande von ihnen darauf hingewiesen – nicht unerheblich fordern dürfte. Die bezuschußten Maßnahmen aus der Städtebauförderung der Jahre 1992 bis 2010 müssen in das jetzt zu erarbeitende Konzept so mit eingebunden werden, daß die damals an die Gemeindekasse geflossenen Zuschüsse nicht in Gefahr geraten. Eine Hypothek aus der Vergangenheit, die jetzt hoffentlich nicht eine für die Zukunft wird.

 Fotos: (1) ISEK-Dokumentation iq-Projektgesellschaft
eigene 
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